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Tiere und Pflanzen

Klimawandel in den Alpen: Gefahr für Artenvielfalt und Wasserhaushalt

Die Bergwelt ist ein empfindlicher Lebensraum, in dem Veränderungen besonders schwere Folgen haben – auch der Klimawandel: Ob Vegetationsperiode, Wasserhaushalt, Schneegrenze oder Gletscher, das ganze System gerät aus dem Takt. Dies wirkt sich auf die Artenvielfalt vor Ort, und über die Flüsse auf den gesamten Kontinent aus.

Veränderung der Artenvielfalt

Die Temperaturen in den Alpen steigen deutlich schneller als der globale Durchschnitt. Wärmeliebende Tiere und Pflanzen etwa drängen nach oben und verdrängen kälteangepasste Arten – am Gipfel gibt es dann kein Ausweichen mehr.

Veränderungen bei Regen und Schnee

Wärmere Luft bringt mehr Niederschlag, der allerdings nicht als Schnee, sondern als Regen fällt und direkt abfließt. Tauender Permafrost und Starkregen erhöhen zudem die Gefahr von Muren, Lawinen und Hochwasser.

Gefahren für den Wasserhaushalt

Bayerns Gletscher drohen in zehn bis 20 Jahren komplett zu verschwinden, in den letzten 50 Jahren ging bereits mehr als die Hälfte der Fläche verloren – und damit ein Wasserreservoir, das Europas Flüsse im Sommer speist.

In den Alpen gibt es eine beachtliche Artenvielfalt, nicht zuletzt, weil sich Alpenfauna und Alpenflora hier lange Zeit ohne äußere Einflüsse entwickeln konnten oder Rückzugsorte aus der dichter besiedelten Ebene fanden. 

  • Hinzu kommen die raschen Wechsel der Landschaftsformen mit sehr speziellen Lebensbedingungen: zum Beispiel große Temperaturunterschiede zwischen Nord- und Südhängen, dunkle Täler, helle Gipfel, Schnee und Eis. 
  • Die Vegetationsperioden sind besonders in den Höhenlagen kurz, vielfach dünne und nährstoffarme Bodenschichten über dem Fels haben alpine Pflanzen – und infolge der Nahrungskette auch Tiere – zu Überlebenskünstlern werden lassen.

Der Klimawandel in den Alpen bedroht dieses empfindliche System auf mehrfache Weise: Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen weicht die Gebirgsflora immer weiter Richtung Gipfel aus: Sieben Jahre lang haben Wissenschaftler des internationalen Netzwerks GLORIA die Bereiche von 66 europäischen Berggipfeln untersucht. In ihrer 2012 in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie stellten sie fest, dass sich wärmeliebende Arten zunehmend nach oben ausbreiten. Die neue Konkurrenz bedroht jedoch dort bereits ansässige Arten, diese können – ebenso wie Pflanzen, die an eher kalte Temperaturen angepasst sind – nicht weiter ausweichen: Am Gipfel ist Schluss, zumal es Pflanzen nicht möglich ist, ihren Standort beliebig zu wechseln.


Folgen des Klimawandels auf Feuchtgebiete, Schneegrenze und Gletscher

Alpine Feuchtgebiete sind vielfach nicht besonders groß und tief – durchschnittlich kleiner als ein Hektar bei weniger als einem Meter Wassertiefe. Dabei handelt es sich unter anderem um Quellaustritte, flache Stellen, an denen Grundwasser zur Oberfläche drängt, sowie die Ausläufer von Schneefeldern oder Gletschern. Schon die genannten Beispiele und Rahmenbedingungen zeigen, dass diese Lebensräume sehr anfällig für klimatologische und hydrologische Veränderungen sind. Die Gletscherschmelze in den Alpen ist hier nur ein besonders eindrucksvolles Beispiel, sie wird zum Beispiel von der Gesellschaft für ökologische Forschung kontinuierlich dokumentiert.

Durch die Zunahme der globalen Durchschnittstemperatur steigt zudem die Schneegrenze: In der unteren Atmosphäre nimmt die Temperatur je 1000 Höhenmeter im Mittel um sechs Grad Celsius ab. Steigt die Temperatur im Jahresmittel um zwei Grad Celsius, so verschiebt sich die Schneegrenze somit um etwa 300 Meter nach oben – deutlich spürbar zum Beispiel in den Skigebieten der bayerischen Alpen. Doch auch für Flora und Fauna bedeutet das Wegfallen ganzjährig mit Schnee bedeckter Lebensräume eine Herausforderung.


Größere Schneemengen, Hochwasser- und Lawinengefahr

Das Klima ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren, Veränderungen können sich vielfältig – und bisweilen überraschend – auswirken. So ist nach den Unwettern der vergangenen Jahre immer wieder die Rede davon, dass Extremwetterereignisse in Zukunft zunehmen werden. Dies betrifft auch den Klimawandel in den Alpen: 

  • Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen, das nun aber auch in den Wintermonaten in den Bergen eher als Regen denn als Schnee zur Erde fällt – und dann direkt abfließt. 
  • In durchschnittlich wärmeren und nasseren Frühjahren fließt der getaute Schnee schneller über die Flüsse ab und führt entlang deren Lauf zu Hochwasser. Außerdem wächst die Gefahr von (Nassschnee-)Lawinen. 
  • Auch aufgeweichte, beispielsweise durch intensive Almbewirtschaftung vorgeschädigte Böden geraten ins Rutschen und gehen als Muren zu Tal. Diese Geröll- und Schlammlawinen wurden in der Vergangenheit vorwiegend durch Gestein ausgelöst, das durch Niederschläge durchfeuchtet und schwer geworden war.

Ein gesunder Schutzwald, dessen tiefes Wurzelwerk den Boden zusammenhält, kann Muren verhindern, doch die Bäume in den Alpen sind vielerorts geschädigt (siehe auch Bergwald). Da durch die Klimaveränderung die Starkregenereignisse zunehmen, rechnen Experten künftig auch mit mehr Murenabgängen. Hinzu kommt in den Alpen das Abtauen von Gletschern und Permafrostböden, wie beispielsweise an der Zugspitze. Muren haben eine hohe Energie und können große Verwüstungen anrichten, etwa an Schienen, Straßen oder Häusern.


Hotspot Gletscherschmelze

Zu den sichtbarsten Veränderungen in den Alpen durch den Klimawandel gehört die Entwicklung der Gletscher. 

  • Die Glaziologen (Gletscher-Experten) halten das komplette Abschmelzen des “ewigen Eises” in den kommenden 10 bis 20 Jahren für unabwendbar, weit mehr als die Hälfte der bayerischen Gletscherfläche ist bereits verloren. 
  • Vier Gletscher gibt es hierzulande noch, Höllentalferner, Watzmanngletscher, Blaueis sowie Nördlicher Schneeferner. 
  • Der Südliche Schneeferner hat seinen Status als Gletscher bereits verloren, er war seit 1945 besonders starkt geschrumpft. 
  • Um das Abschmelzen des Nördlichen Schneeferners zu verlangsamen, wurde dieser Gletscher in den Sommermonaten von 1993 bis 2012 mit Plastikplanen abgedeckt. Mit der Initiative wollte die Bayerische Zugspitzbahn das Skigebiet am Zugspitzplatt sichern. Die Schmelze beschleunigte sich jedoch so stark, dass sich auch das Abdecken nicht mehr lohnte.

Der Watzmanngletscher wiederum stellt eine Ausnahme dar: Sein Volumen ist erst seit den 1950er-Jahren dokumentiert, in den 1980er-Jahren war er auf 454 Prozent dieser belegten Größe angewachsen. Doch mittlerweile ist auch sein Volumen stark gesunken. Für die großen wie für die verhältnismäßig kleinen bayerischen Gletscher gilt: Ist das Eis erst einmal geschmolzen, so ist das Wasserreservoir verloren, das zuvor in den Sommermonaten kontinuierlich die Alpenflüsse speiste.