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Tiere und Pflanzen

Glyphosat: Gift auf Bayerns Äckern

Glyphosat ist auch in Bayern ein vielgenutztes Pflanzenvernichtungsmittel. Es landet auf etwa elf Prozent der bayerischen Äcker und tötet dort alles Grün. Es schadet Tieren und Wildpflanzen und steht im Verdacht, Krebs auszulösen. Der BN setzt sich dafür ein, dass Glyphosat endlich vom Markt verschwindet.

Glyphosat schädigt die Artenvielfalt

Glyphosat ist ein Breitbandherbizid. Es tötet fast jede Pflanze ab, die nicht gentechnisch verändert wurde. In der Folge verarmen die Felder und Tiere und Pflanzen der Feldflur verlieren ihre Lebensgrundlage. Wenn etwa Ackerwildkräuter verschwinden, finden verschiedene Insekten keine Nahrung mehr. Vögel, die Insekten fressen, finden wiederum weniger Insekten. Viele Pflanzen und Tiere der Kulturlandschaft landeten so bereits auf der Roten Liste. Auch Bodenorganismen können Schaden nehmen.

Bereits im Körper nachweisbar

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat bereits 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein. Besorgniserregend ist, dass der Wirkstoff in Lebens- und Futtermitteln mindestens zwei bis vier Jahre nachweisbar ist. Bei einer Studie mit 182 Stadtbewohner*innen hatten sieben von zehn Rückstände von Glyphosat im Urin – und das, obwohl sie nach eigenen Angaben keinen direkten Kontakt mit dem Pflanzenvernichter gehabt hatten.  

Auch in Bayern wird massenhaft gespritzt

In Bayern werden etwa 240.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche mit Glyphosat behandelt. Das entspricht elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern. Insgesamt landen pro Jahr etwa 350 Tonnen des Gifts auf den bayerischen Äckern und Wiesen. Es werden beispielsweise komplette Felder damit begiftet, um nicht erwünschte Pflanzen zu vernichten und so die Äcker für das Einsäen der gewünschten Feldfrucht vorzubereiten. Dabei gäbe es gute alternative Verfahren wie die Bodenbearbeitung mit dem Schälpflug, Grubber oder Stoppelhobel.

Glyphosat statt Bodenbearbeitung

Glyphosat ist billig und tötet alle nicht gentechnisch veränderten Pflanzen ab: Glyphosat ist der Hauptwirkstoff im Pflanzenvernichtungsmittel (Herbizid) "Roundup". Bayerische Landwirt*innen setzen es nicht nur ein um Beikräuter abzutöten. Vielmehr werden komplette Felder damit begiftet, um Vorkulturen oder anderen Pflanzenaufwuchs zu vernichten und so den Acker für die Einsaat der gewünschten Ackerfrucht vorzubereiten. Das "Totspritzen" der bestehenden Pflanzendecke mit dem billigen Herbizid erscheint vielen Bauern und Bäuerinnen heute wirtschaftlicher als der Einsatz lange erprobter Verfahren wie Bodenbearbeitung mit dem Schälpflug, Grubber oder Stoppelhobel. Das gilt nicht nur für bayerischen Landwirt*innen, sondern überall auf der Welt. So hat sich die weltweite jährliche Einsatzmenge von Glyphosat seit dem Einführungsjahr 1974  etwa um den Faktor 265 erhöht.

Einsatzmengen von Glyphosat in Bayern

Es gibt keine offizielle Statistik zum Glyphosateinsatz in Bayern. Laut Auskunft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) (Stand: 2/2026) werden aber etwa 160 Tonnen Glyphosat pro Jahr im Freistaat verwendet. Das entspricht in etwa dem Gewicht von vier vollbeladenen Lkw. In früheren Schätzungen ging die LfL von 350 Tonnen pro Jahr aus, die auf elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausgebracht wurden. 

Die entscheidenden Daten stammen von der Industrie: Die Wiederzulassung für Glyphosat wurde in der EU im Jahr 2002 für zehn Jahre erteilt. Die Zulassung basierte auf Daten, die von der Industrie geliefert worden waren. Eine Neubewertung stand für 2012 an, wurde aber auf 2015 verschoben. Nachdem 2015 die Internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" eingestuft hatte, setzte eine sehr kontroverse öffentliche Debatte ein.

Deutschland vergibt die Chance, Glyphosat auf EU-Ebene zu verbieten: Ende November 2017 wurde in der entscheidenden Sitzung des Ständigen Ausschusses für Lebensmittelsicherheit der EU durch die Zustimmung Deutschlands die notwendige qualifizierte Mehrheit für eine erneute, fünfjährige Zulassung von Glyphosat bis Ende 2022 erreicht. Die Zustimmung Deutschlands erfolgte durch den damaligen Agrarminister Christian Schmidt (CSU) und entgegen der Abmachung zwischen Bundesumweltministerium und Bundeslandwirtschaftsministerium, was der gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien widerspricht.

Erst 2033 wird wieder über eine erneute Glyphosat-Zulassung abgestimmt werden: Mitte November 2023 hat die EU-Kommission Glyphosat für weitere zehn Jahre zugelassen. Deutschland hatte sich bei der Abstimmung enthalten, weil in der Regierungskoalition die FDP für eine weitere Zulassung war. Die Grünen waren dagegen. Laut Kommission sind zwar Einschränkungen möglich, doch ein nationales Verbot von Glyphosat, wie es im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP eigentlich vereinbart wurde, rückt damit in weitere Ferne.

Den sofortigen Ausstieg aus der Glyphosatanwendung. Es stehen genügend ungiftige Verfahren der Beikrautregulierung zur Verfügung:

  • Zum Beispiel moderne mechanische Verfahren, mit denen „Unkraut“ reguliert werden kann, auch kameragestützte digitale Verfahren. Im Biolandbau werden sie bereits erfolgreich eingesetzt. Diese Verfahren müssen weiterentwickelt werden.
  • Auch über die Entscheidung, welche Feldfrüchte nacheinander auf einem Acker angebaut werden (Fruchtfolge), können Landwirt*innen großen Einfluss auf „Unkräuter“ nehmen.

Negative Effekte auf die Artenvielfalt

Die Äcker verarmen, Chemiekonzerne verdienen: Das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat steht für eine intensive Landwirtschaft, die wegen des Kostendrucks zu den vermeintlich billigsten Maßnahmen greift. Wie teuer uns diese Form des Landbaus tatsächlich zu stehen kommt, zeigt sich in unserer bayerischen Agrarlandschaft: Die Äcker sind verarmt – Tiere und Pflanzen, die seit jeher in der Feldflur zuhause waren, sind vom Aussterben bedroht. Einige wenige internationale Agrarchemie-Megakonzerne wie Bayer/Monsanto, DuPont, Syngenta und BASF verdienen Unsummen an den eingesetzten Pflanzenvernichtern.

Eine Untersuchung von 30 Feldern in Oberfranken hat eindeutig gezeigt: Pestizide schaden der Artenvielfalt. Verglichen wurden 15 Bio-Felder, die gemäß der Öko-Richtlinien nicht mit Pestiziden und anorganischen Düngern behandelt worden waren, mit 15 konventionellen, mit Herbiziden und anorganischen Düngern behandelten landwirtschaftlichen Flächen. Auf den Bio-Feldern gab es einen fünfmal höheren Artenreichtum an Pflanzen und einen zwanzigmal höheren Artenreichtum an Bestäubern als auf den konventionellen Flächen. Außerdem kamen Blattläuse auf den konventionellen Feldern fünfmal häufiger vor.

Auch die Bodenfruchtbarkeit steht auf dem Spiel

Ackerwildkräuter und Blütenbestäuber leiden unter dem Herbizideinsatz: Den weltweit beobachteten Rückgang von Blütenbestäubern führen viele Wissenschaftler*innen unter anderem auf den massiven Einsatz von Pflanzenvernichtungsmitteln wie Glyphosat zurück. Wildbiene & Co. fehlt der Blütenreichtum der mittlerweile fast aus der Agrarlandschaft verschwundenen Ackerwildkräuter.

Auch die Artenvielfalt im Boden ist durch Glyphosat bedroht. Dazu schreibt das Umweltbundesamt: „Nicht zuletzt können unerwünschte Nebenwirkungen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auch für die behandelten landwirtschaftlichen Flächen selbst ein Problem darstellen, etwa über Beeinträchtigungen der Bodenfruchtbarkeit durch Schädigung wichtiger Bodenorganismen.“

Rückstände in Böden und Gewässern

Glyphosat ist ein Breitband- oder Totalherbizid. Das heißt, es tötet alle Grünpflanzen, sofern sie nicht entsprechend gentechnisch verändert sind. Das Ackergift wird auf die Blattmasse ausgebracht. Von dort aus wirkt es „systemisch“. Es wird über die Blätter aufgenommen und gelangt von dort in alle Bestandteile der Pflanze: in die Sprossspitzen, Samen und Wurzeln.

  • Glyphosat lässt sich nicht abwaschen.
  • Es baut sich weder durch Erhitzen noch durch Einfrieren ab.
  • Es gelangt in den Boden und bleibt dort bis zu einem Jahr und länger vorhanden.
  • Das Glyphosat-Abbauprodukt AMPA ist langlebiger. Insbesondere in Gewässern beträgt die Halbwertszeit des Abbaus zwei Jahre.
  • Glyphosat-Rückstände können in Lebens- und Futtermitteln mindestens zwei Jahre lang nachgewiesen werden, in Produkten mit hohem Stärkeanteil bis zu vier Jahre.

Glyphosat im menschlichen Körper

Sieben von zehn Großstädter*innen haben Glyphosat im Urin: Von März bis Mai 2013 ließen der BUND und sein europäischer Dachverband Friends of the Earth (FOE) Urinproben von insgesamt 182 Stadtbewohnern auf Glyphosat analysieren. Es handelte sich dabei um die erste Studie dieser Art. Pro Land und Stadt wurden in der Regel zehn Urinproben untersucht. Das Ergebnis: Sieben von zehn der untersuchten deutschen Großstädter hatten das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Urin. Laut Selbstauskunft hatte keiner der untersuchten Stadtbewohner*innen selbst Glyphosat eingesetzt. Folglich stammen die Belastungen aus Quellen, die der Einzelne nicht zu verantworten hat.

70 Prozent

der untersuchten Deutschen hatten Glyphosat im Urin

Studie BUND und Friends of the Earth

Gut gekontert! Argumentationshilfe gegen Glyphosat

Weil in vielen Diskussionen die Glyphosatbefürworter*innen die immer gleichen Behauptungen und Argumente anführen, hat der BN eine Argumentationshilfe zusammengestellt. Hier finden Sie die wichtigsten Gründe dafür, warum die Glyphosatanwendung baldmöglichst beendet werden muss.

Andere Verfahren sind weniger giftig, mechanische Verfahren werden wieder attraktiver: Wenn Glyphosat verboten wird, dann verschwindet vor allem eine sehr billige Möglichkeit, einen „Kahlschlag“ auf dem Acker anzurichten. Alle anderen derzeit am Markt befindlichen Herbizide sind teurer und ebenfalls risikoreich. Doch sie vernichten nicht wie Glyphosat den gesamten Pflanzenbestand auf dem Acker, es bleibt für die Natur noch etwas übrig.

Außerdem würde mit dem Verbot des billigen Glyphosats der Einsatz mechanischer Verfahren finanziell wieder attraktiv. So urteilt das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut), dass die mechanische Beikrautregulierung im Ackerbau bei einer einmaligen zusätzlichen Bodenbearbeitung betriebswirtschaftlich gleich oder sogar besser abschneiden kann als der Einsatz von Glyphosat.

Das stimmt nicht. Auf Deutschland bezogen entfallen 80 Prozent des ausgebrachten Glyphosats auf die Landwirtschaft und nur 20 Prozent auf Baumschulen, die Forstwirtschaft, Bahngleise, Nichtkulturland sowie Haus- und Kleingärten.

Auch bei Glyphosat-Ausbringung muss der Boden bearbeitet werden. Direktsaat, also eine Saat ohne vorherige Bodenbearbeitung, kommt nur bei wenigen Kulturen vor. Während Glyphosat zusätzlich negative Auswirkungen auf viele Organismen hat, gelangt der Boden nach mechanischer Bearbeitung rasch wieder ins Gleichgewicht.

Es gibt alternative Verfahren, die früher erfolgreich eingesetzt wurden: Landwirt*innen können sich, statt teurere Herbizide einzusetzen, auf Verfahren der guten fachlichen Praxis besinnen, die früher mit guten Ergebnissen zur Unkrautbekämpfung eingesetzt wurden. Mit dem Auslaufen des Monsanto-Monopols und dem daraus folgenden Preissturz bei Glyphosat sind diese Verfahren, wie etwa Fruchtfolge oder mechanisches Beikrautmanagement, vernachlässigt worden.

Betriebe werden vor allem wegen einer verfehlten EU-Agrarpolitik augegeben: Bäuerliche Betriebe müssen oft aufgeben, weil Lebensmittel in der EU so billig verkauft werden, dass sie die Arbeit auf den Höfen nicht bezahlen. Und auch bei der Förderung setzt die EU-Agrarpolitik falsche Weichen: Die Subventionen beziehen sich auf die Fläche der Höfe. Damit werden Großbetriebe bevorzugt. Eine bessere, nachhaltig orientierte EU-Agrarpolitik wie sie der BN schon lange fordert, könnte das ändern.

Erfolge in Bayern

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" sorgt für weniger Herbizideinsatz: Die Abstimmung, die der BN unterstützt hat, war die erfolgreichste der bayerischen Geschichte. 18,2 Prozent der Wahlberechtigten stimmten im Frühjahr 2019 für mehr Natur- und Artenschutz sowie Biodiversität in Bayern. Im Juni 2019 nahm der Landtag den Gesetzestext des Volksbegehrens samt Begleitgesetz und umfassendem Maßnahmenpaket an. Der Verzicht oder reduzierte Einsatz von Herbiziden auf landwirtschaftlichen und öffentlichen Flächen ist ein wichtiger Bestandteil des Maßnahmenpakets.

Kommunen und bayerische Molkereien für Verzicht auf Glyphosateinsatz: Auch pestizidfreie Kommunen gibt es mittlerweile schon in Bayern. Sie bewirtschaften ihre Grünflächen entweder ganz ohne Pestizide oder doch mindestens ohne Glyphosat. Auch bayerische Unternehmen setzen sich aktiv für weniger Gifteinsatz in der Landwirtschaft ein. Die Molkerei Berchtesgadener Land war hier beispielsweise ein Vorreiter: Sie hat ihren Milchlieferant*innen den Einsatz von Glyphosat verboten. Im Dezember 2017 schrieb der BUND Naturschutz dann alle bayerischen Molkereien an und forderte sie auf, diesem Beispiel zu folgen. Wie die BN-Umfrage zeigte, waren 16 bayerische Molkereien dem guten Vorbild gefolgt.