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Alpen-Wasser: Das Trinkwasserschloss Europas

Das größte Gebirge Europas stellt das größte Süßwasserreservoir des Kontinents dar. Über die Flüsse werden aus den Bergen ganzjährig selbst entfernte Regionen versorgt. Veränderungen durch den Klimawandel – Stichwort Gletscherschmelze – oder Baumaßnahmen wirken sich damit auch an anderen Orten aus.

Europas Süßwasserspeicher

Mit einem jährlichen Durchschnitt von 1.450 mm Niederschlag fließen jedes Jahr 216 Milliarden Kubikmeter Wasser in die Täler der Alpenanrainer. In höheren Lagen fallen bis zu 3.500 mm Niederschlag pro Jahr, im deutschen Durchschnitt sind es nur etwa 800 mm, Tendenz fallend. Gletscher, Schnee und Seen speichern das Wasser und puffern damit die Pegel der Flüsse in Trockenperioden.

Eingriffe und Klimawandel

Wasserkraftwerke, Speicherseen für Beschneiungsanlagen und der Klimawandel gefährden den natürlichen Wasserhaushalt, Eingriffe wirken hier deutlich stärker als in der Ebene. Die Folgen sind bereits sichtbar: Bootsanlegestellen am Bodensee lagen in den vergangenen Jahren häufiger im Trockenen und Hochwasserereignisse fallen regelmäßig drastischer aus als früher.

Das Thema Wasser hat in den Alpen in vielerlei Hinsicht eine hohe Bedeutung: Zum einen stellt Europas höchstes Gebirge auch das größte „Süßwasserschloss“ des Kontinents dar. Im Wechsel der Jahreszeiten wird Wasser unter anderem als Schnee und Eis in den Bergen gespeichert und speist kontinuierlich unsere größten Flüsse. Zum anderen bieten alpine Flüsse und Seen wichtige, weitgehend unberührte Biotope für seltene Tier- und Pflanzenarten. Eingriffe in den Wasserhaushalt durch den Bau von Wasserkraftwerken oder die Anlage von Speicherseen für Beschneiungsanlagen sind daher kritisch zu sehen: Natürliches Alpen-Wasser ist nicht nur ein toller Werbeslogan für Getränkehersteller, ganz Europa profitiert davon.

  • Mit einem jährlichen Durchschnitt von circa 1.450 mm an Niederschlag befördert der Alpenraum jährlich eine Abflussmenge von 216 Milliarden Kubikmeter Wasser in die Alpenvorlandregionen. 
  • Damit versorgen die Alpen Menschen und Umland mit Wasser, über den Rhein bis zur Nordsee, über Inn-Isar und später die Donau bis zum Schwarzen Meer und über Po und Rhone ins Mittelmeer. 
  • In größeren Höhen gibt es zudem höhere Niederschlagsmengen von bis zu 3.500 mm pro Quadratmeter jährlich – im deutschen Durchschnitt waren es im trockenen Jahr 2025 gerade einmal 655 mm pro Quadratmeter. 
  • Außerdem nimmt die sogenannte Evapotranspiration, die Summe des verdunsteten Wassers durch Tiere, sowie von Pflanzen und Oberflächen, mit zunehmender Höhe ab. 
  • Und nicht zuletzt wird Wasser in Gletschern, Schnee, Permafrost und Seen gespeichert. Allein Eis und Gletscher der gesamten Alpen umfassen ein Volumen von vielen Kubikkilometern Wasser, hinzu kommen die Alpenseen. Gletscherwasser funktioniert wie eine Art Puffer für die Flüsse in Trockenzeiten.

Die Alpen stellen damit eine wichtige Süßwasserreserve für Trinkwasser, Brauchwasser und Wasserkraftenergie dar: Die Stadt München etwa bezieht ihr Trinkwasser mit bester Qualität aus dem Alpenvorland (Mangfall – Loisachtal). Ohne das “blaue Gold” der Alpen als lebenswichtige Grundlage für Mensch und Natur wäre es undenkbar, den Bedarf an Trink- und Brauchwasser großer Teile Europas zu decken.


Gletscher in den Alpen: Das "blaue Gold" ist ein gefährdeter Schatz

Angesichts seiner Bedeutung sollte es das Ziel sein, den Wasserhaushalt der Alpen so natürlich wie möglich zu erhalten. Während dem Schmelzen der Gletscher nahezu ausschließlich durch langfristige Klimaschutzmaßnahmen (siehe auch Klimawandel in den Alpen) begegnet werden kann, bedrohen weitere unterschiedliche Entwicklungen und Interessen die lebenswichtige Ressource, etwa: 

  • Errichtung von Wasserkraftwerken für die Energieversorgung (siehe auch Energie)
  • Bau von Speicherseen für Beschneiungsanlagen (siehe auch Tourismus
  • Hochwasserschutz für den Unterlauf

Dabei zeigt sich, dass Eingriffe in der gesamten Bergregion stärker wirken als in der Ebene. Durch den Klimawandel ändern sich beispielsweise die Abflussregime der Flüsse; wird Wasser dann noch für andere Zwecke in Stauseen und Speicherbecken umgeleitet, kann sich überraschend schnell ein ganzes Biotop verändern, beispielsweise die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen in einem Tal.

Die Folgen sind jedoch nicht nur für die Artenvielfalt, sondern auch für den Menschen spürbar: Bootsanlegestellen am Bodensee lagen in den vergangenen Jahren bereits häufiger im Trockenen als früher, Hochwasserereignisse fallen regelmäßig drastischer aus, wenn die natürliche Sedimentdynamik der Alpenflüsse künstlich verändert wird.