Was interessiert Sie besonders?

Zur Startseite

Eichhörnchen beobachten und melden

Themen

  • Übersicht
  • Klimakrise

Tiere und Pflanzen

Rodungen im Isarmündungsgebiet unnötig und unbegründet

Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Landesfischereiverband bezweifeln den Sinn der Maßnahmen und bewerten diese als unzulässigen Eingriff in die Natur.

06.02.2009

Die drei Naturschutzverbände lehnen die geplanten Eingriffe im Bereich Isarmündung und Staatshaufen einstimmig ab und begründeten dies ausführlich in ihren Stellungnahmen im Rahmen des Verfahrens.


Deggendorf. Als brutalen und unnötigen Eingriff in eines der wertvollsten Schutzgebiete Bayerns und Deutschlands werten die bayerischen Naturschutzverbände die geplante Rodung von etwa 40 ha Wald und Weidengebüsch im Isarmündungsgebiet. Der Eingriff soll angeblich notwendig sein, um die früheren Hochwasserpegel wieder herzustellen. In den Genehmigungsunterlagen ist ein hydraulischer Nachweis der Rhein-Main-Donau Wasserstraßen GmbH (RMD) zur Notwendigkeit der Rodungen enthalten. Ein aktuelles Gutachten zur Bewertung der RMD-Berechnungen, das der Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN) bei Prof. Dr. Bernhart (Universität Karlsruhe) in Auftrag gegeben hat, zeigt jedoch, dass die Wälder und Gebüsche an der Isarmündung nicht für die zunehmenden Pegelstände im Hochwasserfall verantwortlich sind. „So wie es von der RMD aufgebaut und berechnet wurde, unterschätzt das Modell systematisch die Effekte des Maisanbaus und überbewertet den Effekt der Gehölze auf den Wasserstand ganz erheblich“, fasst Georg Kestel, Landschaftsarchitekt und Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Deggendorf die Ergebnisse der Bernhart-Studie zusammen. „Dass sich der erhöhte Wasserspiegel vor allem an den früheren Maisanbaufeldern aufbaut, kann man aus dem Verlauf der Wasserspiegelkurven eindeutig ablesen. Die gut durchströmbaren Pappelforste an der Isarmündung haben dagegen nur minimalen Einfluss.“

Der BN hatte schon seit Beginn der Maßnahmen zum sogenannten „Vorlandmanagement“ zwischen Straubing und Vilshofen erhebliche Zweifel an der hydraulischen Ursachenanalyse, dem entsprechenden Planungskonzept, sowie dem fachlichen Nachweis der Notwendigkeit. Kestel kündigte an, dass sich die Naturschützer mit allen legalen Mitteln gegen die Umsetzung der Planungen wehren werden. „Als nächste Schritte werden wir in Kürze die betroffenen Kommunen und die Naturschutzbehörden über das Gutachten von Dr. Bernhart informieren. Und wir hoffen dann auch auf deren Unterstützung, um die vorgesehenen Eingriffe in die Schutzgebiete doch noch zu verhindern,“ so Kestel.

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. (LBV) befürchtet nicht nur für seltene Vogelarten das schlimmste. „Neben der Rodung streng geschützter Auenwälder ist auch die Beseitigung von vielen Höhlenbäumen geplant.“ sagt Dr. Christian Stierstorfer von der Bezirksgeschäftsstelle des LBV in Moos. Für den LBV völlig unverständlich ist, dass die Planung von Mulden und Rinnen nicht mehr weiterverfolgt wurde. Selbst die RMD-Berechnungen wiesen schließlich nach, dass derartige Rinnen im Hochwasserfall wesentlich effektiver wären und die nötige Rodungsfläche stark verkleinern würden. „Mit Rinnen und flachen Mulden könnte die Isarmündung sogar ein gutes Stück renaturiert und ökologisch aufgewertet werden“, betonen Kestel und Stierstorfer für BN und LBV. „Der bereits laufende, vom Wasserwirtschaftsamt durchgeführte Abtrag von Uferverlandungen entlang des letzten Isar-Kilometers geht in die richtige Richtung.“ Die Naturschutzverbände setzen sich seit vielen Jahren für einen ökologischen Hochwasserschutz mit einem Gesamtkonzept für das Flusseinzugsgebiet ein.

Auch der Landesfischereiverband Bayern e.V. (LFV) fordert die zügige Schaffung des Rinnensystems. Dies würde im Bereich zwischen Isarmündung und Staatshaufen zu einer für die Fische wünschenswerten Dynamisierung führen und somit die zentrale Funktion als Brut- und Jungfischhabitat für die vielfach bedrohten Donaufischarten fördern, so Dipl. Ing. Schnell vom Referat für Arten und Gewässerschutz des LFV. Im Zuge einer stimmigen Hochwasserschutzmaßnahme besäße eine Delta-artige Aufweitung des Isar-Mündungsbereiches durch die Schaffung auentypischer Nebenarme bundesweiten Pilotcharakter. Sowohl terrestrische wie auch aquatische Tiere und Pflanzen würden davon profitieren. Die geplante Rodung ohne Wiederanschluss von Altwasserzügen durch Rinnen und Mulden würde dagegen das Naturschutzgebiet Staatshaufen als wichtigstes Altwassergebiet an der bayerischen Donau ganz erheblich beeinträchtigen.

Für die Naturschutzverbände ist es besonders ärgerlich, dass das Rinnensystem früher zwar verfolgt, aber offensichtlich auf Druck der Schifffahrts- und Kanallobby wieder verworfen wurde. „Entsprechende Pläne für die ökologische Verbesserung der Isarmündung, die sich noch dazu positiv auf den Hochwasserschutz auswirken, stecken schließlich schon seit mindestens 1994 in den Schubladen, ohne dass etwas passiert wäre“, kritisieren die Naturschützer.

Alle drei Verbände haben vor wenigen Tagen ihre fachlichen Stellungnahmen zu den geplanten Maßnahmen abgegeben. Die Stellungnahmen und das Gutachten von Prof. Bernhart sind auf den jeweiligen Internetseiten im Detail nachzulesen (www.bn-deggendorf.de; www.lbv.de; www.lfvbayern.de).


V.i.S.d.P. / Kontakt:


Georg Kestel, Bund Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Deggendorf
Schiffmeisterweg 7
94469 Deggendorf
Tel.: 0991 – 341354
Fax: 0991 – 3792857
www.bn-deggendorf.de
G.Kestel@planwerk-landschaft.de


Kurt Schmid, Bund Naturschutz in Bayern e. V., Regionalreferent Niederbayern
Pettenkofer Straße 10a
80336 München
Tel.: 089-54829888
Fax : 089-54829818
www.bund-naturschutz.de
kurt.schmid@bund-naturschutz.de


Johannes Schnell, Landesfischereiverband, Referat Arten- und Gewässerschutz
Pechdellerstraße 16
81545 München
Tel.: 089-642726-0
Fax: 089-642726-66
www.lfvbayern.de
johannes.schnell@lfvbayern.de


Dr. Christian Stierstorfer, Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.,
Bezirksgeschäftsstelle Niederbayern
Maxmühle 3
94554 Moos
Tel.: 09938-950020
Fax: 09938-950025
www.lbv.de
niederbayern@lbv.de



Bildvorschläge:

1) Pappelforst [Bild: Georg Kestel]: Unter dem Schirm der Bäume entwickelt sich ein weit weniger dichter Unterwuchs als auf Kahlschlagsflächen. Nur die Stämme selbst bilden einen geringen Widerstand für den Hochwasserabfluss.

2) Offene Fläche [Bild: Dr. Christian Stierstorfer]: Bereits vorhandene offene Flächen an der Isarmündung vermitteln einen Eindruck, wie sich in den kommenden Jahren die Kahlschläge entwickeln werden: Sie werden dicht mit hohen Stauden bewachsen sein, z. B. mit der Riesen-Goldrute, einer Invasionspflanze aus Nord-Amerika, die dem Hochwasser einen hohen Widerstand entgegensetzt.

3) Kahlschlag [Bild: Dr. Christian Stierstorfer]: Im Rahmen von bereits stattfindenden forstlichen Maßnahmen kann man sich ein Bild machen, wie es in einigen Wochen auf großer Fläche zwischen Isarmündung und Staatshaufen aussehen wird.

4) Höhlenbaum [Bild: Dr. Christian Stierstorfer]: Auch „Biotopbäume“ werden großteils entfernt. Am Höhlen-Eingang (rechts im Bild) kleben sogar noch ein paar Federn des Vogels (evtl. ein Kleiber), der sich die Höhle für das kommende Frühjahr wohl schon zur Jungenaufzucht ausgesucht hat oder sie in kalten Winternächten als Unterschlupf nutzte.
Gemeinsame Pressemitteilung von BN, LBV, LFV zu Rodungen an der Isarmündung (6.2.2009)