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Consumenta 2009

Bund Naturschutz wagt sich in eine der Bauhallen

"Wir werben für das Wohnen im Kern statt Neubau auf der grünen Wiese"

 

02.11.2009

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. wird dieses Jahr erstmals im Rahmen der Consumenta auch bei der "EnBAU - Fachausstellung Energie Bau Ausbau" (Halle 1) und direkt neben der Wohnimmobilienmesse "EigenHeim'09" (Halle 2) präsent sein. Damit beschreitet der BN neue Wege, um direkt neben den Anbietern für Hausbau und Sanierung für das Flächensparen zu werben.

 

"Schwerpunkt unserer Beratung für die Verbraucherinnen und Verbraucher sind die Vorteile, die sich ergeben, wenn man statt auf der grünen Wiese neu zu bauen im Ortskern wohnt", so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN. "Noch immer ist ja der Wunsch weit verbreitet, weitab von anderen im Grünen zu wohnen und trotzdem Kultur, Arbeit und Konsum gleich vor der Haustür zu haben. Leider geht das aber nicht wirklich zusammen."

 

"Ja das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn – aber abends zum Kino hast dus nicht weit." (Kurt Tucholsky)

 

Zeitgewinn bei kurzen Wegen, Geldersparnis beim Hauserwerb, Umbau und Beheizung, hohe Wohnqualität in gewachsener Umgebung, historische Identifikationspunkte im historischen Ambiente. All das sind Vorteile für den einzelnen beim Wohnen im Innenbereich, dem Ortskern.

Bei der Consumenta präsentiert der Bund Naturschutz die vom bayerischen Bündnis zum Flächensparen erstellte Ausstellung "Wie wohnen - wo leben? Flächen sparen - Qualität gewinnen". Sie tourt bereits seit einiger Zeit sehr erfolgreich durch Bayern und wird bundesweit als das beste Bildungsprojekt zum Thema "Wohnen im Bestand" gehandelt.

 

Mit einer als Terrasse gestalteten Ausstellungsfläche zeigt der BN, dass es durchaus auch in der Stadt und im Dorfkern private Freiräume geben kann, die dem Bedürfnis nach dem grünen Wohnzimmer entgegenkommen.

 

"Uns ist völlig klar, dass eine Terrasse, ein Balkon oder ein begrünter Innenhof keinen großen Garten ersetzen kann, aber oft reicht es als Freiraum zum Draußen sitzen und für das Bedürfnis nach gärtnerischer Beschäftigung aus. Man sollte bedenken, dass Pendler bis zu sieben Jahre ihres Lebens ununterbrochen im Auto verbringen, weil sie unbedingt einen Garten am Haus haben wollen. Da bleibt denen, die in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplatz und Schule wohnen im Vergleich sehr viel mehr Zeit und Geld für Hobbies, Kinder und Naturbesuche beim Joggen, Spazieren oder Picknicken am Ortsrand", so Mergner.

 

Als Vertreterin des Bündnisses zum Flächensparen bezog Ministerialrätin Christina von Seckendorff, zuständig für Bodenschutz im Umweltministerium, Stellung: "Zigtausendfach werden in Bayern jedes Jahr Entscheidungen getroffen über die Frage Wie will ich zukünftig wohnen, wo will ich leben?. Und der Kauf oder der Bau der eigenen vier Wände dürfte für viele die größte Investition im Leben darstellen. Das will, auch bezüglich der Folgekosten, gut überlegt sein."

 

"Bei einem Flächenverbrauch in Bayern von aktuell 16,4 Hektar oder 23 Fußballfeldern pro Tag sind wir alle dringend gefordert, umzusteuern. Mit dem bayerischen Bündnis zum Flächensparen, dem fast 50 Organisationen und Behörden angehören, haben wir in den letzten Jahren viele erfolgreiche Initiativen gestartet. Zuletzt wurde allen Kommunen eine Flächenmanagement-Datenbank zur Verfügung gestellt, mit der sie ihre oft enormen innerörtlichen Potentiale erschließen und verwalten können", so von Seckendorff.

 

"Wir erleben endlich ein Umdenken in den Kommunen angesichts des beginnenden Bevölkerungsrückgangs oder -stagnation im größten Teil Bayerns: Zum Beispiel haben die zehn Gemeinden der kommunalen Allianz Oberes Werntal in Unterfranken jegliche Neuausweisung von Wohngebieten gestoppt und konzentrieren sich nun auf die Innenentwicklung", so von Seckendorff.

 

Der galoppierende Landverbrauch ist derzeit neben dem Klimawandel das größte ungelöste Umweltproblem Bayerns. Die Landschaft wird zersiedelt, unsere Böden täglich mehr belastet und verbaut. Gleichzeitig verliert Bayern sein Gesicht und mit der Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen ein Potential für nachhaltig umweltverträgliche Entwicklung. Weil Jahrhunderte lang gewachsener fruchtbarer Boden praktisch nicht ersetzbar ist und weil Landschaft in seiner Einzigartigkeit für die Unverwechselbarkeit unserer Heimat steht, haben wir alle eine hohe Verantwortung für dessen Schutz und den sorgsamen Umgang damit.

 

Schon aus rein ökonomischem Interesse sollten wir sparsam mit diesen Qualitäten umgehen: Die Zunahme der Hochwässer in Bayern hat seine Ursache schließlich nicht nur in klimatisch begründeten Starkregenereignissen, sondern eben auch in der Zunahme der Hochwasserspitzen aufgrund der Versiegelung der Landschaft. Sauberes Trinkwasser stammt ausschließlich aus der Filterung durch unvergiftete und unversiegelte Böden. Gesunde Nahrungsmittel wachsen nicht auf Asphalt und Beton.

 

"Bayerns Schönheit bewahren"

Seit 2003 widmet sich der Bund Naturschutz unter dem Titel "Bayerns Schönheit bewahren" als einem der zentralen Dauerschwerpunkte der Verbandsarbeit dem Flächenschutz. Das schwierigere Thema "Flächenverbrauch durch neue Wohngebiete" muss die Gesellschaft anpacken. Grob gerechnet gehen 35% des Flächenverbrauchs von 114 Quadratmetern pro Minute in Bayern auf das Konto neuer Wohngebiete - vor allem im ländlichen Raum. Kaum ein Dorf, das trotz prognostiziert sinkender Bevölkerung auf Neubaugebiete verzichtet, während innerorts Wohngebäude - oftmals typischer, historischer und das Ortsbild prägender Bestand - verfällt. Ein Trauerspiel.

 

Die Vision von Ressourcen schonenden und gleichzeitig attraktiven Siedlungsmodellen heißt heute "Stadt und Dorf der kurzen Wege".

 

Das "Bündnis zum Flächensparen"

Das Bündnis zum Flächensparen wurde im Juli 2003 von den Ministerien für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie des Innern mit den Kommunalen Spitzenverbänden, Kirchen, Universitäten, Architekten-, Planer- und Umweltverbänden und weiteren an Bauen und Planen beteiligten Partnern geschlossen. Fast 50 Bündnispartner haben sich insbesondere verpflichtet, sich für eine deutliche Reduzierung des Flächenverbrauchs in Bayern im Sinne einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung einzusetzen, sich zu einem schonenden und Flächen sparenden Umgang mit Böden zu bekennen, die Bemühungen für eine lächen sparende Nutzung und möglichst geringe Versiegelung der Böden zu unterstützen und in ihrem Einflussbereich das Bodenbewusstsein zu fördern.

 

Das Bündnis hat 2005 ein Aktionsprogramm zur Reduzierung des Flächenverbrauchs vorgelegt und zwischenzeitlich fortgeschrieben. Die Ausstellung ist ein Teil des Aktionsprogramms.

 

Ausstellung "Wie wohnen - wo leben? Flächen sparen - Qualität gewinnen"

Die interaktive Ausstellung "Wie wohnen- wo leben? Flächen sparen, Qualität gewinnen" wurde vom Bayerischen Umweltministerium, dem Bayerischen Innenministerium, der Bayerischen Architektenkammer, der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landschaftsplanung sowie dem Bund Naturschutz in Bayern e.V. gemeinsam erstellt. Sie wurde Mitte 2006 eröffnet. Seitdem wandert sie ununterbrochen durch Bayern und auf Kongresse in der ganzen Republik und sogar im europäischen Ausland. Sie wurde bisher an 85 Orten präsentiert.

 

Vor dem Hintergrund der bayerischen Landschaft - hier mit schönsten Heimatbildern aus allen Regionen Bayerns - thematisiert sie z.B. Ortsidentitäten: Da wird gefragt "Schon mal einem Touristen in der Neubausiedlung begegnet? Und geantwortet "Dort leben, wo andere Urlaub machen".

 

Das Thema Verkehr unter dem Aspekt "Mehr Zeit durch kurze Wege" wird beleuchtet. Wer ahnt schon, dass man durch die Entscheidung für den Neubau in der Peripherie über bis zu sieben Lebensjahre „auf Achse“ mitentscheidet.

 

Sie gibt Beispiele für modernes Wohnen im Dorf-, Kleinstadt- und Großstadtkern und lässt in Interviews Menschen zu Wort kommen, die in den unterschiedlichen Wohnsituationen leben. Vier Hörstationen mit Monitoren, ergänzt durch die Wegebeziehungen und die mit der Fahrerei verbundenen Kosten zeigen, dass das Wohnen im Kern die günstigste Lösung ist. Für die BesucherInnen auch Mitmachstationen, in denen Aha-Effekte über unerwartete Situationen im Kern möglich sind, jede und jeder seine persönlichen Wegebeziehungen und ihre Kosten ausrechnen oder den eigenen Flächenverbrauch ermitteln kann.

 

Der Bund Naturschutz präsentiert seinen Schwerpunkt "Bayerns Schönheit bewahren" noch bis 8. November bei der Consumenta in Halle 1, Stand Nr. D121. Wie gewohnt präsentiert die BN-Kreisgruppe Forchheim ihren Streuobststand mit Apfelsaftverkauf in Halle 9.

 

für Rückfragen:

Tom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken

 

Tel. 0911/81 87 8-24 / mobil: 0173-4466553 / Fax 0911/86 95 68

Mail tom.konopka(at)bund-naturschutz.de