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Preisträger für die schönsten Bauernwiesen im Naturpark Frankenwald geehrt

Blühende Wiesen gehören zu den besonderen Kostbarkeiten im Naturpark Fran-kenwald. Insgesamt beherbergt der Naturpark noch 14.000 ha Wiesen und Weiden, die 40 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche im Naturpark Frankenwald ausmachen.

05.07.2012

Bei der Wiesenmeisterschaft 2012 hat der Bund Naturschutz in Bayern gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die Bauernfamilien mit den schönsten Wiesen ausgezeichnet.

Die Siegerwiese befindet sich im Landkreis Kronach in der Teuschnitzaue und gehört zum  Betrieb von Jürgen Schülein, der den Aufwuchs als Winterfutter für seine Mutterkühe und -schafe verwendet. Es handelt sich um eine für den Frankenwald typische Storchschnabelwiese, mit Arten wie Bärwurz, Perücken-Flockenblume, Schlangenknöterich oder Großer Wiesenknopf. Der  2. Preis ging an den Demeterbetrieb der Familie Degel in Carlsgrün im Landkreis Hof für ihre landschaftlich sehr schön gelegene  Wiese mitKnabenkraut, Kreuzblümchen und Kuckucks-Lichtnelke.

Jakob Opperer, Präsident der Landesanstalt für Landwirtschaft, und Hubert Weiger, der Bund Naturschutz Landesvorsitzende, betonten, dass alle 32 Landwirte, die sich an der Wiesenmeisterschaft im Naturpark Frankenwald beteiligt haben, wertvolle Leistungen für die Gesellschaft erbringen, von denen Landschaft und Tourismus besonders profitieren.

Weiger wies darauf hin, dass die Bewohner des Frankenwaldes mit dem Kauf von Frankenwald Weidevieh-Erzeugnissen zur Erhaltung der für den Frankenwald typischen Artenvielfalt beitragen können. Er appellierte an die Bayerische Staatsregierung, ausreichend Finanzmittel für die Fortführung des Bayerischen  Kulturlandschafts- und Vertragsnaturschutzprogramms bereitzustellen, um die Bewirtschaftung artenreicher Wiesen und Weiden auch künftig zu sichern.

Der Frankenwald bietet wunderschöne Bergwiesen auf den Höhenlagen
der Rodungsinseln und attraktive Feuchtwiesen in den Talgründen.

Bayernweit finden sich hier zum Beispiel die größten Vorkommen der aromatischen Bärwurzwiesen sowie bedeutende Arnikabestände.

 

Große Vielfalt der landwirtschaftlichen Betriebe

 Von den 32 Betrieben stammen 14 aus dem Landkreis Kronach, 10 aus dem Landkreis Kulmbach und 8 aus dem Landkreis Hof. 15 Haupterwerbsbetriebe stehen 17 Neben- oder Zuerwerbsbetriebe gegenüber. Die meisten Landwirte verfüttern den Aufwuchs im eigenen Betrieb, darunter 14 Mutterkuhhalter und sieben Milchviehhalter. Vier Landwirte halten Schafe oder Ziegen, einer Färsen. Bei den restlichen Teilnehmern handelt es sich um viehlose Ackermisch- oder Grünlandbetriebe, die das Heu an andere Landwirte oder Pferdehalter verkaufen.

 

Die Preise

Als ersterPreis wurde eine Motorsäge im Wert von 500 Euro, gespendet von der Firma Degel Landmaschinen in Leupoldsgrün ausgelobt.

Der zweite  Preis ist ein Gutschein für ein Wochenende im Biohotel im Wert von 350 Euro.

Dreidritte Preise sind je ein Gutschein im Wert von 70 € für ein regionales Abendessen, gespendet vom Landgasthof Detsch in Haig.

Sechsmalvierte Preise werden für Einkaufsgutscheine im Wert von jeweils 40 € für Weiderindspezialitäten aus dem Frankenwald, gespendet von den beteiligten Metzgereien, vergeben.

Die fünften Preise umfassen Arnikapflegesets, gespendet von der Fa. Wala und werden neunmal vergeben.

Fünfmal gibt es als sechsten Preis das Buch „essbare Wildkräuter“ und siebenmal als siebten Preis Gutscheine für die Mitwitzer Schlosskonzerte, gespendet vom Landkreis Kronach.

Alle Teilnehmer erhielten eine Urkunde, ein Foto ihrer Wiese, die Liste der auf ihrer Wiese vorkommenden Blütenpflanzen sowie ein Plakat mit allen Teilnehmern der Wiesenmeisterschaft  2012.

 

Für Rückfragen:

Marion Ruppaner, BN-Agrarreferentin

Tel. 0911/81 87 8-20, E-Mail: marion.ruppaner@bund-naturschutz.de

Dr. Gisbert Kuhn, LfL, Institut für Agrarökologie,

Tel. 08161- 71-58 26, E-mail: gisbert.kuhn@lfl.bayern.de

 

Die Preisträger der BN/LfL Wiesenmeisterschaft im Naturpark

Frankenwald 2012 und ihre Betriebe

 

Der erste Preis wird Jürgen Schülein aus Lautertal im Landkreis

Kronach zuerkannt.

Der Mutterkuh- und Mutterschafhalter bewirtschaftet einen 220 ha großen Vollerwerbsbetrieb, davon 200 ha Dauergrünland. Die Mutterkuhherde mit 130 Tieren und Nachzucht umfasst Kreuzungen aus Angus, Limousin und Luing, einer schottischen Rasse mit anerkannt guter Fleischqualität. Außerdem werden rund 250 Schafe der Rassen Merino, Suffolk und Coburger Füchse gehalten. Die Vielfalt der Rassen bereichert das Landschaftsbild, das hochwertig erzeugte Weidefleisch wird über Metzgereien und dem Weideweltprojekt „Vieh(l)falt im Frankenwald“ vermarktet.

Fast die gesamte Betriebsfläche nimmt am bayerischen Kulturlandschaftsprogramm mit der Variante ohne Düngung und Pestizide teil. Etwa ein Viertel des Grünlands sind Dauerweiden, wobei extensive Stand- und Umtriebsweiden überwiegen. Auch im nahen Thüringen liegen einige Weideflächen.

Für den Wettbewerb ausgewählt wurde die 2,3 Hektar große „Froschwiese“ in den Teuschnitzauen. Die Wiese ist im Vertragsnaturschutzprogramm und darf erst ab dem 1. Juli gemäht werden.

Der artenreiche Aufwuchs dient als Winterfutter für den großen Viehbestand. Auf der frankenwaldtypischen Storchschnabelwiese wurden fast 50 verschiedene Kräuter und Leguminosen gefunden, darunter 15 Arten der Roten Liste. Neben dem Wald-Storchschnabel zählen Bärwurz, Perücken-Flockenblume, Schlangenknöterich und Verschiedenblättrige Kratzdistel zu den charakteristischen und teilweise bestandsbildenden Arten.

Mit seiner nachhaltigen Grünlandnutzung leistet Jürgen Schülein einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur Erhaltung wertvoller Lebensraumkomplexe und artenreicher, naturraumtypischer Grünlandgesellschaften. Als Sieger der Wiesenmeisterschaft 2011 erhält er eine Motorsäge im Wert von 500,- Euro.

 

 

Der 2. Preis geht an Hilmar und Renate  Degel aus Bad Steben im Landkreis Hof.

Der 100 ha-Vollerwerbsbetrieb wird biologisch nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. 40 ha werden als Dauergrünland genutzt. Für die rund 50 Mutterkühe steht ein tiergerechter Laufstall zur Verfügung.

Gemeldet wurde die 3,4 Hektar große „Krötenseewiese“. Die ein- bis zweischürige Wiese wird düngerfrei bewirtschaftet, der Aufwuchs als Heu an den eigenen Tierbestand verfüttert. Die Krötenseewiese zeichnet sich durch ihre landschaftliche Lage und überdurchschnittliche Artenvielfalt aus. Im Bereich der Bachaue findet sich eine gut ausgeprägte Feuchtwiese mit Übergängen zu Kleinseggenried. Im Mai und Juni blühen hier Wald-Storchschnabel, Schlangenknöterich und Großer Wiesenknopf, stellenweise sogar Knabenkraut und Wollgras. Im Hangbereich zeigen sich schöne Übergange zur mageren Frischwiese mit Arten wie Kreuzblümchen, Knöllchen-Steinbrech, Witwenblume, Flockenblume, Margerite und verschiedenen Glockenblumen. Insgesamt haben wir auch hier fast 50 verschiedene Blütenpflanzen gefunden, darunter 16, die auf der Roten Liste stehen.

Damit zeigt auch der Betrieb Degel, dass eine natur- und ressourcenschonende Landwirtschaft mit Rentabilität in Einklang zu bringen ist. Auf den Zweitplatzierten wartet als Anerkennung ein Wochenende im Biohotel im Wert von 350 Euro.

Drei dritte Plätze wurden vergeben an:

 

Heinrich Bauersachs aus Mitwitz im Landkreis Kronach
Auch hier hat wieder ein Mutterkuh-Betrieb hervorragend abgeschnitten. Im Nebenerwerb werden 53 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 34 ha Grünland bewirtschaftet. Seit 2000 hat Bauersachs das EU-Biosiegel, außerdem nimmt er am Weideweltprojekt Frankenwald teil und ist anerkannter Angus-Zuchtbetrieb.

Die Mutterkühe stehen von April bis November auf der Weide. Die Familie vermarktet ihre hochwertigen Fleischerzeugnisse seit 20 Jahren im Hofverkauf sowie über ‚Ökofranken‘.

Für die Wiesenmeisterschaft ausgewählt wurde die 2,4 Hektar große „Angerwiese“. Die zwei- bis dreischürige Feuchtwiese liegt in der Überschwemmungsaue der Steinach und wird seit 15 Jahren düngerfrei bewirtschaftet. Der erste Schnitt erfolgt meist Ende Mai, auch hier wird der Aufwuchs vollständig verfüttert. Der Standort ist von Natur aus wüchsig und bringt gute Erträge, zeichnet sich aber mit mehr als 46 Kräutern und Leguminosen trotzdem durch einen beachtlichen Artenreichtum aus. Zu den bestandsbildenden Feuchtwiesenarten zählen Kuckucks-Lichtnelke, Schlangenknöterich und Großer Wiesenknopf. An den Gräben blühen gelbe Schwertlilien und der eher seltene Schild-Ehrenpreis.

 

Manfred Eidelloth aus Stockheim im Landkreis Kronach

Seinen Mutterkuh-Betrieb bewirtschaftet Eidelloth, der einen online-Handel für Weidetechnik und Forstbedarf betreibt, im Nebenerwerb. Seit 2010 darf er das EU-Biosiegel verwenden. Gehalten werden die Rassen Angus und Fleckvieh, Futtergrundlage für die rund 30 Tiere sind 30 Hektar Wiesen und Weiden. Der Betrieb nimmt am Weidewelt-Projekt Frankenwald teil.

Mit der ein- bis zweischürigen Waldwiese „Fichtelberg“ hat Eidelloth eine seiner attraktivsten Flächen in den Wettbewerb eingebracht. Die frühere Silagewiese wird seit einigen Jahren düngerfrei bewirtschaftet, das kräuterreiche Heu dient als Winterfutter. Im Zuge der Extensivierung haben sich auf der wechselfeuchten Wiese Arten wie Kreuzblümchen, Knöllchen-Steinbrech, Echte Schlüsselblume, Akelei Kleiner Wiesenknopf und Breitblättriges Knabenkraut etablieren können. Insgesamt konnten annähernd 50 verschiedene Blütenpflanzen, darunter zwölf Arten der Roten Liste, gefunden werden.

 

 Manfred Haas aus Grafengehaig im Landkreis Kulmbach.

Mit Manfred Haas hat wieder ein Vollerwerbslandwirt bewiesen, dass artenreiches Grünland auch in einem traditionellen Acker-Grünland-Gemischtbetrieb seinen Platz hat. Schwerpunkt des 125 Hektar-Betriebes ist Marktfruchtanbau, für die rund 30 Milchkühe (Fleckvieh) stehen 25 Hektar Dauergrünland zur Verfügung. Der Aufwuchs wird vollständig in die Fütterung integriert.

Als zusätzliches Standbein arbeitet Haas als Dienstleister (Lohnmahd) für Kommunen im Frankenwald.

Für die Bewirtschaftung der zweischürigen Feuchtwiese im Steinachtal nimmt der Landwirt eine relativ weite Anfahrt in Kauf. Die Fläche ist im Vertragsnaturschutzprogramm und darf erst ab Anfang Juli gemäht werden, Dünger und Pflanzenschutzmittel dürfen nicht ausgebracht werden. Doch nur so kann die typische Vegetation in dem Frankenwald-Engtälchen dauerhaft erhalten werden. Mit über 60 Kräutern und Leguminosen zählte die Wiese von Manfred Haas mit zu den artenreichsten Beständen im diesjährigen Wettbewerb. Im Mai war die langgezogene Talwiese vor allem durch Wald-Storchschnabel, Großen Wiesenknopf , Kuckucks-Lichtnelke und Schlangenknöterich geprägt, auf den trockeneren Partien zeigten sich unter anderem Knöllchen-Steinbrech, Margerite, Glockenblumen, Flockenblume, Witwenblume und verschiedene Kleearten.

 

Alle Drittplatzierten erhalten Gutscheine im Wert von 70 € für ein Abendessen im Landgasthof Detsch in Haig.

Die 4. Preisträger sind:  

Herr Hermann Dippold aus Rugendorf bei Stadtsteinach,

Landkreis Kulmbach

Mutterkuhhaltung im Nebenerwerb, Mitglied bei Bioland; prämiert wurde die einschürige 1,3 Hektar große „Waldwiese“, die seit 2004 düngerfrei bewirtschaftet wird. Mit über 60 verschiedenen Kräutern und Leguminosen zählt auch diese Wiese zu den artenreichsten Flächen im diesjährigen Wettbewerb.

 

Herr Michael Greim aus Marktschorgast, Landkreis Kulmbach

Mutterkuh- und Deutsch-Angus-Zuchtbetrieb im Vollerwerb, Mitglied bei Demeter; prämiert wurde die 10 Hektar große, einschürige „Stadtwiese“ im Wasserschutzgebiet der Stadt Kulmbach, die düngerfrei bewirtschaftet wird. Neben der Größe überzeugte das vielfältige Vegetationsmosaik mit Übergängen zu Feuchtwiesen und Halbtrockenrasen.

 

Herr Ernst Haas aus Marktleugast, Landkreis Kulmbach

Milchviehbetrieb im Vollerwerb; prämiert wurde die zweischürige Heuwiese „Tannerwirtshaus“ (ca. 1 Hektar), die ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet wird. Feuchtwiese mit Anbindung an artenreiche Hochstaudenfluren und Gebüsche.

 

Herr Helmut Müller aus Kronach, Landkreis Kronach

Mutterkuhhaltung im Zuerwerb, prämiert wurde die „Große Wiese“ (ca. 2 Hektar) im Dobersgrund, die traditionell als Heu- und Grummetwiese genutzt wird. Artenreicher Bestand in schöner Hecken-Wiesenlandschaft mit Blick auf die Festung Kronach.

 

Herr Michael Schubert aus Weißenbrunn, Landkreis Kronach

Spezialisierter Mutterkuhbetrieb (Schubert Weiderind UG) im Vollerwerb auf reiner Grünlandbasis, EU-Bio; prämiert wurde die einschürige „Wildenberger Wiese“ (ca. 1,5 Hektar), die seit 1980 nicht mehr gedüngt wurde. Kräuterreiche Futterwiese am Waldrand mit Übergängen zu Halbtrockenrasen, viele Arten der Roten Liste.

 

Herr Markus Wunner aus Presseck, Landkreis Kulmbach

Acker-Grünland-Mischbetrieb im Nebenerwerb; prämiert wurde die einschürige, ein Hektar große Bärwurz-Bergwiese bei Schnebes auf der Frankenwaldhochfläche, die ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet wird. Typische Frankenwaldwiese mit mehreren Arten der Roten Liste.

 

Alle Viertplatzierten erhalten einen Einkaufsgutschein im Wert von 40 € für Weiderind-Spezialitäten aus dem Frankenwald.