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Tiere und Pflanzen

Nützlinge & Co.: Natürlicher Pflanzenschutz ohne Gift

Ist auch Ihr Garten von „Schädlingen“ wie Schnecken, Asseln oder Läusen befallen? Der Frust eines Heimgärtners angesichts kahl gefressener Salatköpfe und ausgehöhlter Erdbeeren ist verständlich. Doch auch bei der Bekämpfung sollte man an das Wohl der Natur denken. Erfahren Sie mehr über die Alternativen zur Giftspritze!

Im späten Frühling oder Frühsommer beginnt wieder die Zeit der Pflanzenschädlinge. Der Boden unter den Linden klebt vom Honigtau und in den Gärten werden gerade zur ersten Erntezeit die liebevoll gezogenen Pflanzen gefressen. Wenn nicht Blattläuse, Kohlfliege oder Asseln die Ernte stören, dann sind die Blätter plötzlich weiß vor Mehltau.

Auf keinen Fall sollten Sie in diesem Fall zu chemischen „Pflanzenschutzmitteln“ greifen. Denn derartige Stoffe sind nichts anderes als Gift, das erhebliche Risiken für Natur und menschliche Gesundheit birgt. Natürlicher Pflanzenschutz bedeutet, die Natur durch Nützlinge und andere Maßnahmen zu unterstützen.

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Pflanzen natürlich schützen können!



Dem Schädlingsbefall vorbeugen

Statt sich selbst und Ihre Umgebung zu gefährden, die natürliche Nahrungskette mit Giftstoffen zu belasten, Bodenorganismen zu schädigen und zuletzt die vielen empfindlichen "Nützlinge" zu vernichten, können Sie ganz unkompliziert dem Schädlingsbefall vorbeugen und sich viel Aufwand und Ärger ersparen.

Sortenwahl

Schädlingsbefall ist oft Ausdruck eines schlechten Gesundheitszustandes der Pflanze. Gesunde Nutz- und Zierpflanzen werden mit ihren "Schädlingen" meist gut fertig und selten so stark befallen, dass sie ernsthaften Schaden davontragen. Der Schutz vor Schädlingen beginnt schon beim Pflanzenkauf: Wählen Sie standortgerechte, heimische und robuste Pflanzensorten. Die unterschiedlichen Pflanzenarten haben sich im Laufe ihrer Entwicklung an die verschiedensten Klima- und Bodenverhältnisse angepasst. Nur wenn Gesundheit, gute Keimfähigkeit, hohe Keimrate beim Saatgut und gesundes, sortentypisches Aussehen beim Pflanzengut gegeben sind, haben die Pflanzen in der empfindlichen Jugend- oder Anwachsphase optimale Startbedingungen. So lassen sich viele Pflanzenkrankheiten nur durch die Wahl geeigneter Sorten preiswert und umweltschonend ausschalten, etwa bei Kartoffelsorten, die gegen Kartoffelkrebs resistent sind. 

Saat- und Pflanztermin

Auch der Saat- bzw. Pflanztermin spielt eine wichtige Rolle: Um das zeitliche Zusammenkommen von "Schädling" und empfindlichem Pflanzenstadium zu verhindern und eine schnelle Jugendentwicklung zu gewährleisten, kann der optimale Saat- und Pflanztermin von der Angabe auf der Samenpackung abweichen. Frühe Saat ist oft besser, da die Pflanzen bereits erstarkt sind, wenn sich ihre "Schädlinge" entwickeln. Wir empfehlen, sie etwa gegen Möhrenfliegen- und Erbsenwicklerbefall zu schützen. Die Blüte von Hülsenfrüchten sollte vorüber sein, wenn die ersten Wicklerweibchen fliegen. Flaches Säen und Pflanzen verkürzt die empfindliche Jugendentwicklung und stärkt die Pflanzen, weil sie früher ans Licht kommen und Energie erzeugen. Sinnvoll ist das Vorziehen von Setzlingen im Frühbeet oder im Glashaus.

Gut zu wissen

Wer Pflanzen im Frühbeet oder Glashaus vorzieht, kann den "Schädlingen" zuvor kommen. Denn während der Jugendentwicklung sind die Pflanzen besonders empfindlich

Umweltgestaltung

Bei Pflanzungen in offenen Lagen ist es sinnvoll, mittels Hecken oder Windschutzpflanzen (Sonnenblumen, Stangenbohnen) den Wind zu bremsen. Dadurch erhöht sich die Temperatur der Umgebung und die Wasserverdunstung aus dem Boden wird reduziert. Leichte Durchlüftung und Besonnung der Pflanzenbestände beugt Pilzkrankheiten vor und fördert den Geschmack von Nutzpflanzen.

Die richtige Bodenpflege

Gesunde Pflanzen brauchen einen gesunden Boden: Die mechanische Bodenbearbeitung erfolgt durch Lockern und Belüften des Bodens, nicht durch Umgraben. So bleibt das Bodengefüge erhalten. Düngung wird durch Ausbringen von Kompost, Gründüngung und Pflanzenjauchen betrieben. Des Weiteren verhindert der aufeinanderfolgende Anbau von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern Bodenmüdigkeit und Folgekrankheiten.

Mischkulturen anlegen

Beim Anbau in Mischkultur kann man die Tatsache, dass sich verschiedene Nutzpflanzen gegenseitig fördern und ihre "Feinde" abhalten, nutzen. Tomatenpflanzen haben zum Beispiel Drüsenhaare auf den Oberseiten ihrer Blätter entwickelt. Wenn eine Blattlaus ein Tomatenblatt annagt, sondern diese ein hellgrünes, klebriges Sekret ab. Die Blattlaus verfängt sich darin und verhungert. Dieses Sekret ist auch verantwortlich für den typischen Geruch der Pflanze.

Tomaten sind also in Mischkulturen mit Pflanzen hilfreich, die leicht Blattläuse bekommen.

In Kombination mit Bohnen, Kohl und Salat machen sich Tomaten gut. Zwiebeln und Knoblauch halten, neben Tomaten gepflanzt, die kleinen, weißen Fliegen fern, die Tomatenpflanzen gerne befallen. Schnittlauch und Erdbeeren sind gute Partner.

Sauberkeit beim Gehölzschnitt

Beim Gehölzschnitt ist sauberes Arbeiten wichtig: Größere Wundränder mit einem scharfen Messer glätten. Anschließend eventuell ein biologisches Wundbehandlungsmittel ohne Fungizidzusatz aufbringen. Entfernen und vernichten Sie befallene Pflanzenteile.

„Nützlinge“ fördern

Die Förderung der "Nützlinge" durch naturnahe Gartengestaltung und Nisthilfen sowie der Verzicht auf Pestizide ist ökologischer Pflanzenschutz. In einem Garten, der viele naturnahe Elemente wie Hecke, Wiese, Tümpel, Steinhaufen, Totholzstapel oder Nisthilfen enthält, verhindern die dort lebenden natürlichen Feinde ein Überhandnehmen von Problemarten.

Vögel vertilgen beispielsweise insbesondere in der Brutzeit eine Unmenge von Insekten. Andere "Nützlinge" sind zum Beispiel Frösche, Kröten, Eidechsen, Wiesel, Spitzmäuse, Igel oder Fledermäuse sowie Spinnen, Schlupfwespen, Florfliegen, Marienkäfer, Greifvögel und Eulen. Es ist eine Frage der Vernunft, diesen Tieren ausreichend Platz im Garten einzuräumen. 

Erfahren Sie, wie Sie ihren Garten möglichst naturnah gestalten, um Raum für Nützlinge zu schaffen.

Mechanische Maßnahmen

Durch feine Netze oder Vliese, die mit Drahtbögen hochgehalten werden, können Gemüsebeete vor unliebsamem Insektenbesuch geschützt werden. Schneckenzäune verhindern das Eindringen der hungrigen Weichtiere. Um die Stängel von Kohlpflanzen gelegte Kohlkragen verhindern die Eiablage der Kohlfliegen. An den Stämmen von Obstbäumen angebrachte Fanggürtel dienen im Herbst auch vielen Insekten als Unterschlupf, daher müssen sie immer wieder erneuert und vor ihrer Vernichtung kontrolliert werden, ob sich darin "Nützlinge" (z. B. Marienkäfer, Ohrwürmer) angesiedelt haben. Diese sollten gegebenenfalls vorher freigelassen werden.

Vorsicht bei Leimringen! Mit Leim versehene Fanggürtel, die zur Bekämpfung des Frostspanners oder gegen den Blattlaustransport durch Ameisen am Stamm angebracht werden, sind zwar wirkungsvoll, aber auch tödlich für viele "Nützlinge", zum Teil sogar für Vögel.

Handarbeit

Das frühzeitige Absammeln von "Schädlingen" verhindert deren Vermehrung und beugt so größeren Schäden vor. Sinnvoll ist zum Beispiel, Kohlpflanzen von Raupen des Kohlweißlings und Kartoffelpflanzen von Kartoffelkäfern zu befreien. Blattläuse werden einfach mit den Fingern oder einem nassen Tuch von den Pflanzen abgestreift. Das Abschneiden von befallenen Pflanzenteilen dämmt eine Krankheit oft vor deren richtigem Ausbruch erfolgreich ein.

Abhilfe bei akutem Schädlingsbefall

Selbst wenn es bereits so weit ist und Ihre Haus- oder Gartenpflanzen befallen wurden, kann man den Schädlingen mit umweltschonenden Alternativlösungen zu Leibe rücken:

Pflanzenjauchen, -Tees und -Brühen sind schnell wirksam und ungiftig, vertreiben "Schädlinge" und stärken die Abwehrkräfte der Pflanzen. Die Wirkung von Pflanzenextrakten, genau wie die von Mischkulturen, beruht auf der Fähigkeit vieler Pflanzen, Abwehrstoffe zum Schutz vor Insekten, Pilzen und anderen Organismen herzustellen. Zu den zum Teil hochgiftigen und sehr wirksamen Abwehrstoffen gehören etwa Koffein, Nikotin, Kokain oder Morphin. Auch Bitterstoffe, Gerbsäuren und stark riechende ätherische Öle verderben vielen "Pflanzenfeinden" den Appetit. Pflanzen sind also oft gar nicht so hilflos, wie es den Anschein hat.

Duftstoffe, optische und akustische Reize können "Schädlinge" anlocken oder abschrecken. Diese Maßnahmen wirken meist gezielt und sind ungefährlich für die Umwelt. Pheromonfallen locken durch arttypische Sexualduftstoffe männliche Insekten in die Falle. Zu den Fraßlockstoffallen gehört beispielsweise die "Bierfalle" zum Schneckenfang. Guten Erfolg bringen klebrige Gelbtafeln, die etwa Kirschfruchtfliege und Weiße Fliege auf den Leim locken. Aber Vorsicht, da auch "Nützlinge" gefangen werden! Je nach Größe der Klebtafel können hier auch kleine Vögel kleben bleiben, da sie von den festgeklebten Insekten angezogen werden. Gelbtafeln sollten also vor allem in Innenräumen verwendet werden.

Was hilft gegen Blattläuse und Co.?

Wie Sie einige "Schädlinge" los werden erfahren Sie hier:

Blattläuse: Pflanzen wie Thymian, Salbei und Lavendel haben eine abschreckende Wirkung auf Blattläuse. Wenn bei akutem Befall das Absammeln nicht mehr wirkt, dann helfen Pflanzensude und Jauchen aus Knoblauch, Zwiebel, Brennnessel oder Oregano, Brühe aus Rharbarberblättern oder Hausmittel wie Kartoffelwasser und Seifenlauge. Wie Sie Brühe und Sude herstellen können erfahren Sie hier.

Schmierläuse/Wolläuse: Auch gegen Wolläuse hilft Brennnesseljauche. Eine Mischung aus Öl, Schmierseife und Wasser kann ebenfalls gegen die Pflanzenläuse verwendet werden.

Nacktschnecken: Streuen Sie rund um die gefährdeten Pflanzen Holzasche oder Kaffeesatz aus, um sie zu schützen. Auch Schneckenzäune oder Kupfer helfen gegen Schneckenbefall.

Kellerasseln: Asseln sind meist Nützlinge, die abgestorbene Pflanzenteile fressen und keine Schäden im Garten anrichten. Es kann aber vorkommen, dass sie sich auch an Obst- und Gemüsepflanzen "vergreifen". Besonders in Hochbeeten fühlen sich die Krebstiere wohl, denn dort ist die Luftfeuchtigkeit hoch und es gibt Totholz, das ihre natürliche Nahrung darstellt. Um sie zu vertreiben kann das Anpflanzen von Salbei helfen. Auch weniger zu gießen oder das Ausbringen von Zimt um die Stiele der Pflanzen soll helfen. Wenn Sie weiterhin Asseln im Beet haben bringen Lebendfallen Erfolg bei einer Überpopulation von Kellerasseln: Dazu vergraben Sie ein Glas so, dass der Rand des Glases auf einer Ebene mit der Erdoberfläche ist. Geben Sie einen Lockstoff in das Glas (beispielsweise Küchenabfälle). Die Asseln kommen aus dem Glas nicht mehr heraus und können an einer entfernten Stelle ausgesetzt werden.

Schildläuse: Bei kleinen Pflanzen im Haus oder Gewächshaus wirkt Raps- oder Olivenöl Wunder gegen Schildläuse. Vergessen Sie bei der Anwendung nicht die Blattunterseiten. Bestreichen Sie nur die betroffenen Blätter mit dem Öl und wiederholen Sie den Vorgang täglich über ein paar Wochen hinweg. Auch Jauchen aus Brennnesseln oder Brühen aus Knoblauch helfen gegen die Läuse. Besprühen Sie die Blätter der befallenen Pflanzen täglich auf der Ober- und Unterseite.

Kohlfliege: Holzasche und Mischkulturen mit Sellerie und Tomate können Kohlfliegenbefall vorbeugen. Um Kohlpflanzen sollte außerdem ein Kohlkragen angelegt werden, der die Eier der Fliegen absterben lässt. Dazu können Sie ein Stück Pappe oder Filz verwenden, das Sie um den Stamm der Pflanze legen.

Weiße Fliege: Verteilen Sie Brennnessel-, Basilikum- oder Knoblauchsud auf alllen Pflanzenteilen. Gegen die Fliegen helfen in Innenräumen auch Gelbtafeln.

Buchsbaumzünsler: Raupen können abgesammelt oder mit Wasser abgespritzt werden. Tragen Sie beim Absammeln Handschuhe. Auch ein naturnaher Garten, der Vögeln ein Zuhause bietet, macht einen übermäßigen Befall durch Zünslerraupen unwahrscheinlich.

Mehltau bekämpfen

Echten Mehltau

Um Echten Mehltau zu bekämpfen, mischen Sie rohe Milch oder Buttermilch in einem Verhältnis von 1:9 mit Wasser. Also: 10 Milliliter Milch auf 90 Milliliter Wasser. Besprühen Sie die Pflanze mehrfach die Woche. Auch Natron gemischt mit Wasser und Öl lässt den Pilz absterben.

Falschen Mehltau

Falscher Mehltau findet sich nur auf der Blattunterseite und kann mit Pflanzensuden wie Ackerschachtelhalmsud oder Knoblauchbrühe bekämpfen. Stark befallene Pflanzenteile sollten abgetrennt und entsorgt werden.

Nützlinge kaufen

Im Handel gibt es Florfliegen, Marienkäfer, Nematoden und Schlupfwespen zu kaufen, die bei akutem Befall und einem natürlichen Mangel an Nützlingen Abhilfe leisten können. Nützlinge kommen jedoch in einem Naturgarten von ganz alleine.

Erfahren Sie, wie Sie einen eigenen Wildgarten anlegen und damit Florfliegen, Hornissen, Marienkäfer und andere Nützlinge anlocken können.

Pflanzensud herstellen

Jauchen, Brühen, Tees und andere Pflanzensude helfen gegen Schädlingsbefall. Erfahren Sie, wie Sie die Flüssigkeiten herstellen:

Jauche: Um Brennnesseljauche oder andere Pflanzenjauchen herzustellen verwenden sie etwa einen Kilo frische Pflanzenmasse auf zehn Liter Wasser. Lassen Sie die Flüssigkeit eine bis drei Wochen gären und rühren Sie diese regelmäßig um. Fertig ist die Jauche, wenn sie nicht mehr schäumt. Gegen den strengen Geruch bei der Gärung können Sie eine Handvoll Steinmehl zur Jauche hinzugeben.

Brühe: Brühen werden oft aus Kräutern hergestellt, die 24 Stunden lang in kaltem Wasser eingeweicht und anschließend eine halbe Stunde gekocht werden. Verwenden Sie dabei einen Kilo frische Pflanzenmasse auf zehn Liter Wasser. Auch Knoblauchbrühe hilft zur Schädlingsbekämpfung. Um Knoblauchbrühe herzustellen, schneiden Sie vier Knoblauchzehen und übergießen Sie diese mit einem Liter kochendem Wasser. Lassen Sie die Brühe abkühlen, sieben Sie die Stücke heraus und besprühen Sie die befallenen Pflanzen damit.

Kaltwasserauszug: Um einen Kaltwasserauszug herzustellen, lassen Sie Kräuter 24 Stunden lang in kaltem Wasser ziehen. Verwenden Sie die Kräuter in einem Verhältnis von 1:10, also 100 Gramm frische Kräuter auf 1 Liter Wasser.