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5 vor 12 für den Lech: Renaturierung jetzt!

Lechfest und Kundgebung für den frei fließenden Lech

21.09.2012

Der Bund Naturschutz (BN) und die in der Lechallianz zusammen-geschlossenen Verbände forderten auf dem Lechfest am Samstag, den 22.9.2012 am Hochablass in Augsburg die bayerische Staatsregierung auf, unverzüglich ein Renaturierungskonzept für den Lech im Bereich des Naturschutzgebiets Stadtwald Augsburg zu erstellen.
„Der Lech braucht in seinem letzten frei fließenden Abschnitt auf bayerischer Seite bei Augsburg dringend eine umfangreiche Renaturierung, um die flussschädigenden Eingriffe der Vergangenheit zu beheben. Dieser Abschnitt ist die letzte Chance, wenigstens auf einer kleinen Strecke den Fluss zu revitalisieren und damit Wiedergutmachung zu leisten“, so Prof. Dr. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN. „Im Bereich des Naturschutzgebiets Stadtwald Augsburg muss dabei den ökologischen Belangen Vorrang vor anderen Nutzungen, wie der Wasserkraft eingeräumt werden“, fordert Johannes Enzler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Augsburg.


Durch die Kanalisierung des Lechs wird sowohl der ökologische, wie auch der flussbauliche Zustand des Lechs und seiner Auenbereiche von Jahr zu Jahr immer bedenklicher. Außerdem sind die Möglichkeiten zur Erholungsnutzung für die Bevölkerung am Lech stark eingeschränkt:

Auf Grund der Begradigung und Kanalisierung sowie der daraus resultierenden Eintiefung des Lechs, werden die Auen nicht mehr überflutet und der Grundwasserpegel sinkt immer weiter ab, so dass viele für die Aue typischen Lebensräume und Arten stark rückläufig sind. Im Flussbett verschwanden die Kiesbänke, so dass viele Fisch- und Vogelarten, wie Huchen oder Flussuferläufer, die auf diese in alpinen Flüssen charakteristischen Umlagerungsstrecken angewiesen sind, kaum oder gar keine Heimat mehr finden.
Die Eintiefung des Lechs ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass auch flussbaulich eine kritische Situation entstanden ist. Die Stabilität der Flusssohle ist nicht mehr gewährleistet und an einigen Stellen ist bereits die Flinsschicht sichtbar!
Der Wert des Lechs für Erholungsnutzungen ist stark eingeschränkt, da ein Zugang zum Fluss wegen des Steilufers nur auf wenige Stellen begrenzt ist.

Umweltminister Huber hat kürzlich in einem Brief an die Lechallianz mitgeteilt, dass noch dieses Jahr mit einem Projekt names „licca liber“ begonnen werden soll, das sich mit einer Verbesserung der Gewässersituation des Lech-Unterlaufs ab Königsbrunn beschäftigt.
Der Bund Naturschutz und die in der Lechallianz zusammengeschlossenen Verbände fordern das Umweltministerium auf, eine umfangreiche Renaturierung des Flussabschnitts zwischen Staustufe 23 und Hochablass im Rahmen des licca liber Projektes vorzunehmen:

  • Auflösung der Längsverbauungen und Aufweitung des Flussbettes so weit wie möglich. Somit hat der Fluss die Möglichkeit durch Seitenerosion den fehlenden Kies einzubringen und eine Quervernetzung zur Aue und den Seitengewässern wieder herzustellen. Geschiebe-Umlagerungsstrecken können so entstehen. Die Fließgeschwindigkeit und die Flusseintiefung werden damit verlangsamt.
  • Weitgehenden Anbindung der ehemaligen Lechauen an das Wasserregime des Lechs durch Rückversetzung der Dämme. Schaffung von Retentionsräumen zur Hochwasserrückhaltung.
  • Beseitigung der bestehenden 6 Querbauwerke unter Beachtung der Grundwassersituation im NSG Augsburger Stadtwald. Umbau in Raue Rampen.

 

Zusätzlich ist mittelfristig die Erstellung eines Geschiebemanagement-Konzeptes von den Alpen bis zu Donau notwendig. Denn nur wenn die bestehenden Stauwerke wieder für Geschiebe durchgängig werden, können die ökologischen und wasserbaulichen Probleme gelöst werden. Alle anderen Maßnahmen entsprechen einer Symptombehandlung und packen die Probleme nicht an der Wurzel.

„Ein Wasserkraftwerk ist grundsätzlich nicht mit einer Renaturierung des Lechs vereinbar, da die Fließgewässerdynamik, Auenanbindung sowie Fisch- und Geschiebedurchgängigkeit grundlegender Bestandteil eines naturnahen Fluss-Aue-Ökosystems ist. Diese Faktoren werden durch Wasserkraftwerksbauten immer stark beeinträchtigt“, so Günther Groß Sprecher der Lechallianz.

„Überlegungen, eine Renaturierung des Lechs durch Wasserkraftwerksneubauten im Naturschutzgebiet zu finanzieren sind absolut nicht akzeptabel“, so Eduard Belotti Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Augsburg. „Zum einen wird mit jedem Kraftwerk massiv in das Naturschutzgebiet eingegriffen, zum anderen ist der Freistaat Bayern durch europäische Natur- und Gewässerschutzschutzvorgaben verpflichtet, den ökologischen Zustand der Gewässer in Bayern zu verbessern.“

Der Bund Naturschutz erkennt die bestehenden Wasserkraftwerke in Bayern als einen wichtigen Beitrag zur regenerativen Energieversorgung an. Sie erzeugen ca. 15% des bayerischen Stromverbrauchs. Ca. 90% des bayerischen Wasserkraftpotenzials sind damit genutzt. An bestehenden Kraftwerken bestehen noch Möglichkeiten für Effizienzsteigerungen durch den Einsatz moderner Technik. Einen weiteren Wasserkraftwerksneubau in ökologisch sensiblen Gebieten, insbesondere in Naturschutzgebieten, lehnt der Bund Naturschutz strikt ab, da damit eine Zerstörung der letzten naturnahen Gewässerlebensräume verbunden ist. Die großen Potenziale der Energiewende im Strombereich liegen in der Energieeinsparung, der Solar- und der Windenergie.


Für Rückfragen:
Thomas Frey,
BN-Regionalreferent für Schwaben
thomas.frey@bund-naturschutz.de; Mobil: 0160-95501313